Fragen und Antworten

Klimaschutz wird immer mehr Menschen wichtig. Auch in Essen wächst die Zahl derer, die sich einen Wandel wünschen und deshalb den KlimaEntscheid Essen unterstützen. Wir haben nachgefragt, was sie im Einzelnen dazu bewegt.

Was ist ein KlimaEntscheid?

Ein KlimaEntscheid ist eine Wortneuschöpfung, die die auf kommunaler Ebene real existierenden demokratischen Instrumente Bürgerbegehren und Bürgerentscheid mit dem Klimaschutz in Verbindung setzt.

Was ist das Ziel des KlimaEntscheid Essen?

Das Ziel des Bürger*innenbegehrens ist es, dass die Stadt Essen einen Klimaaktionsplan mit der Zielsetzung der Klimaneutralität bis 2030 erstellt.

Was bedeutet Klimaneutralität?

In einer klimaneutralen Stadt werden netto keine Treibhausgase ausgestoßen. An den Stellen, wo Treibhausgase frei werden, muss durch ausgleichende Maßnahmen gegengesteuert werden. Die Vermeidung von Treibhausgasemissionen ist das primäre und wesentliche Ziel.

Was ist der Unterschied zwischen klimaneutral und kohlenstoffneutral?

In einem kohlenstoffneutralen System wird kein Kohlendioxid (CO₂) ausgestoßen.

Bei einem klimaneutralen System werden keine Treibhausgase (CO₂e) ausgestoßen.

Trotz seiner zentralen Bedeutung gibt wesentlich mehr klimaschädliche Treibhausgase als CO₂. Auch Methan oder Lachgas haben Treibhauserwärmungspotentiale. Der Weltklimarat hat hierfür Umrechnungsfaktoren gefunden.

CO₂e bezeichnet somit Kohlendioxid und äquivalente Treibhausgase.

Wie lauten die aktuellen Pläne der Stadt zum Klimaschutz?

Die Stadt plant bis 2050 klimaneutral zu sein, sowie eine Reduzierung der Treibhausgasemissionen bis 2030 um 60 % gegenüber 1990. Gleichzeitig hat sich die Stadt zum Pariser Klimaabkommen bekannt. Auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse lautet der Appell aus Paris, alles zu unternehmen, um die Erderwärmung auf 1,5 °C zu begrenzen. Dieser Widerspruch ist Auslöser für unser Bürger*innenbegehren. Die Anpassung der Ziele ist notwendig.

Ist das Bürger*innenbegehren bereits gestartet?

Nein, am 09.09.2020 haben wir das Bürger*innenbegehren bei der Stadt angemeldet. Seither warten wir auf Rückmeldung und Kostenschätzung der Stadt. Erst danach kann es losgehen.

Was kann ich jetzt tun?

Informieren, über den KlimaEntscheid sprechen, aktiv werden, spenden, Bündnisse schmieden, und vieles mehr. Meld dich gerne bei uns unter info@klimaentscheid-essen.de.

Wo kann ich die Unterschriftenzettel herunterladen?

Die Unterschriftenlisten können erst nach der Rückmeldung der Stadt bereitgestellt werden. Sie werden mit Start der Sammelphase zum Download bereitstehen.

Wo kann ich unterschreiben?

Sobald die Sammelphase beginnt: Auf unserer Webseite kannst du alle beteiligten Sammelstellen sehen, dort kannst du dich in die ausliegenden Listen eintragen. Ebenso kannst du das Formular auf unserer Webseite ausdrucken und es uns zusenden. Du möchtest unbedingt unterzeichnen, kannst beide Möglichkeiten jedoch nicht nutzen? Dann schreib uns eine Mail und wir finden eine Lösung!

Wer darf unterschreiben?

Unterschreiben darf, wer mit Erstwohnsitz in Essen gemeldet und für die Kommunalwahl wahlberechtigt ist (d. h. über 16 Jahre alt und EU-Bürger*in).

Wieviele Unterschriften werden benötigt?

Es werden mindestens 15.000 Unterschriften benötigt.

Bis wann müssen die Unterschriften eingereicht werden?

Sobald die Rückmeldung der Stadt vorliegt und die Sammlung startet, bleiben uns insgesamt 10 Wochen Zeit, um die Unterschriften im Rathaus abzugeben. 

Essen tut schon viel, war 2017 sogar Grüne Hauptstadt. Warum braucht gerade Essen einen KlimaEntscheid?

In der Tat wurden die Treibhausgas-Emissionen in Essen zwischen 1990 und 2017 laut dem Umweltamt um 32,9 % gesenkt. Leider reicht das nicht, um hochriskante Klimaszenarien auszuschließen. Wir spüren die Folgen der Klimaveränderungen schon heute. Trotzdem ignoriert die aktuelle Planung die  Wisschenschaft und politische Vereinbarungen. Wir Essener*innen haben mehr verdient.

Betrifft der Klimawandel Essen überhaupt?

In der Tat. Heftige Regenfälle, Hitzewellen, Waldbrände und Dürren werden häufiger. Durch unregelmäßige Niederschlagsmengen und Wasserknappheit wird es in der Landwirtschaft zu Nahrungsengpässen sowie zu steigenden Lebensmittelpreisen kommen. Das städtische Grün wird durch Extremtemperaturen anfälliger für Krankheiten und muss immer öfter gerodet werden. Die Hitze ist insbesondere für ältere und schwangere Personen sowie Kinder eine körperliche Belastung. Auch Krankheiten aus anderen Weltregionen werden hier üblicher werden. Nicht zuletzt ist der Klimawandel eine Fluchtursache. Gebäude und der Katastrophenschutz müssten den Anforderungen entsprechend nachgerüstet werden, Bestandssanierungen der Infrastruktur häufiger werden. Der Klimawandel betrifft uns vor Ort auf vielfältige Weise.

Ist CO₂e-Neutralität bis 2030 möglich?

Ja, wenn wir uns dafür entscheiden und konsequent agieren. Es geht in diesem Bürger*innenbegehren darum, die Verhaltensweisen, Maßnahmen und Technologien zu analysieren und deren Einfluss in die Modelle mit aufzunehmen, die zur Machbarkeit von Klimaneutralität 2030 beitragen. Die am 13.10.2020 veröffentlichte Studie des Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie zeigt, wie ganz Deutschland bis 2035 kohlenstoffneutral werden könnte. Viele wesentliche Maßnahmen sind bis 2030 umsetzbar. Es geht hier konkret um die Lebensgrundlage der Menschen jetzt und in Zukunft. Wenn wir uns gemeinsam dafür entscheiden ist das Ziel erreichbar.

Kann ich in Zukunft weiter Auto fahren?

Es wird in Zukunft weniger Autofahrten geben. 2017 stand der Motorisierte Individualverkehr (MIV) in Essen für 69 % des Treibhausgasausstoßes im Verkehrssektor und für 19,9 % der stadtweiten Emissionen. 55% der Verkehrswege wurden im MIV zurückgelegt. Die Stadt selbst plant bis 2035 den Modal Split 4×25%,, demnach sollen nur mehr 25 % aller Fahrten durch den MIV durchgeführt werden. Diese Ziele bestehen. Fahrten und Fahrzeuge werden reduziert. 

Was darüber hinaus mit Car-Sharing, Elektroautos und anderen Systemen eingespart werden kann steht weiter zur Diskussion.

Wo liegen die größten Hebel?

  • 36 % der in Essen ausgelösten Treibhausgas-Emissionen 2017 kamen aus der Stromproduktion. Eine auf erneuerbaren Energiequellen basierte Stromproduktion ist ein zentraler Schlüssel.
  • 29 % aller in Essen ausgelösten Treibhausgas-Emissionen entstanden 2017 im Verkehrssektor. Es braucht eine Reduktion von Fahrten im MIV, effizientere Fahrzeuge, vor allem jedoch klare Vorfahrt für den Fuß- und Radverkehr, den ÖPNV und die Schiene. 
  • Weiterhin elementar ist die Wärmeversorgung. Es braucht eine verbesserte Dämmung zur Vermeidung von Wärmeverlusten und die Abkehr von fossilen Trägern zur Wärmeerzeugung zugunsten von elektrischen Wärmepumpen und Solarthermieanlagen. Selbstverständlich geht es dabei auch darum, wie Industrieanlagen- und prozesse so in die Wärmeversorgung eingebunden werden, dass positive Wirkungen entstehen. 
  • Die durch Ernährung ausgelösten Treibhausgas-Emissionen sind weiter nicht zu vernachlässigen. Sie spiegeln sich in der Bilanz für Essen selbst allerdings kaum wieder, da die Schäden ausgelagert werden (Rodung, Monokulturen, Nitratanreicherung, Reduktion der Artenvielfalt). Es lässt sich zusammenfassen, dass eine Reduktion von Fleisch und tierischen Nahrungsmitteln den Treibhausgasgehalt der Ernährung senkt.

Ist doch alles viel zu teuer, oder?

In der Tat sind die notwendigen Investitionen gewaltig. Es gibt jedoch diverse Berechnungen die darlegen, dass erstens die Klimaschutzinvestitionen günstiger sind als die Klimawandelfolgekosten und die weiterhin belegen, dass die Rechnung günstiger wird, je schneller gehandelt wird. Sollten wir nicht ausreichend investieren, werden ökologische und soziale Systeme in die Brüche gehen. Dass zu vermeiden sollte uns die monetären Kosten wert sein. 

Am 21.10.2020 zitiert Marcel Heberlein vom ARD Hauptstadtstudio: „Und die Klimaschäden wären teurer als jetzt die Vorsorge, sagt Umweltministerin Svenja Schulze“ (https://www.tagesschau.de/inland/klimawandel-massnahmen-bundesregierung-101.html)

Wer steht hinter dem KlimaEntscheid Essen?

Ein Impulsvortrag von GermanZero bei der 1. Essener Klimakonferenz im Februar 2020 brachte alles ins Rollen. GermanZero erarbeitet ein 1,5-Grad-Gesetz für ganz Deutschland und motiviert Bürger*innen, sich auch für kommunale Projekte zur Klimaneutralität einzusetzen. Wir Aktive sind ehrenamtlich tätig und möchten die Essener Zivilgesellschaft vernetzen, um gemeinsam den Klimaschutz voranzutreiben.

Wo steht ihr politisch?

Wir fordern eine mutige Klimapolitik. Dabei sind wir politisch unabhängig. Das Bestreben nach mutiger Klimapolitik ist eine Überlebensfrage. 

Wie stehen die Essener Parteien zum KlimaEntscheid Essen?

Bislang unterstützen Die Grünen, DIE LINKE, der SPD-Ortsverein Margarethenhöhe und Volt unsere Forderung. Wir hoffen stark darauf, dass sich weitere anschließen. Wir selbst verstehen uns als überparteilich – angemessener Klimaschutz ist schließlich keine parteipolitische, sondern eine Überlebensfrage.

Was ist der KlimaStadtPlan?

Der KlimaStadtPlan ist ein wegweisender Maßnahmenkatalog, der Impulse gibt, um Essen bis 2030 klimaneutral zu machen. Das Dokument wurde von Klimawissenschaftler*innen, Expert*innen und Praktiker*innen aus Wirtschaft und Forschung entwickelt. Der KlimaStadtPlan Essen zeigt, wo die größten Einsparpotenziale für die Stadt Essen liegen und welche finanziellen und personellen Aufwände mit konkreten Maßnahmen verbunden sind. In der Erstellung ihres eigenen Plans könnte die Stadt einzelne Maßnahmen übernehmen. Hier gehts zum Download

Ich möchte den KlimaEntscheid finanziell unterstützen. Wofür braucht der KlimaEntscheid Spenden?

Für die Erstellung von Druckmaterialien (Plakate, Unterschriftenzettel, Flyer), Pressearbeit, Klemmbretter und Stifte, Erkennungsmaterialien (Beachflags, Mund-Nasen-Schutz, Flaggen), etc. benötigen wir Spenden.